BGH-Urteile

78 wichtige Urteile des Bundesgerichtshofs, verständlich erklärt

⚖️
VIII ZR 201/23 21.05.2025

Mietervorkaufsrecht bei Teileigentum

+

Leitsatz

Ein Vorkaufsrecht für Mieter kann auch entstehen, wenn an zu Wohnzwecken vermieteten Räumen Teileigentum statt Wohnungseigentum begründet wird. Die Ausübungsfrist von zwei Monaten steht nicht zur Disposition der beteiligten Personen.

Bedeutung für Mieter

Das Mietervorkaufsrecht gilt auch bei der Umwandlung in Teileigentum. Die 2-Monats-Frist zur Ausübung kann nicht vertraglich verlängert oder verkürzt werden.

vorkaufsrecht teileigentum umwandlung frist
I ZR 138/24 06.03.2025

Maklerrecht Halbteilungsgrundsatz

+

Leitsatz

Bei Doppeltätigkeit von Maklern verstößt eine ungleiche Provisionsverteilung gegen den gesetzlichen Grundsatz der hälftigen Teilung und ist komplett unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Makler dürfen bei Doppeltätigkeit nicht mehr von einer Partei verlangen als von der anderen. Verstöße machen die gesamte Provisionsvereinbarung unwirksam.

makler provision halfteilung doppeltaetigkeit
XII ZR 96/23 29.01.2025

Verjährungsbeginn bei Schlüsseleinwurf

+

Leitsatz

Die Verjährung von Schadensersatzansprüchen des Vermieters kann bereits beginnen, wenn der Mieter die Schlüssel in den Briefkasten des Vermieters einwirft – selbst wenn das Mietverhältnis noch nicht beendet und der Vermieter mit der Rückgabe nicht einverstanden ist.

Bedeutung für Mieter

Der Schlüsseleinwurf kann als Besitzverschaffung gelten und die 6-monatige Verjährungsfrist für Vermieteransprüche auslösen, auch wenn die Wohnung formal noch nicht übergeben wurde.

verjaehrung schluessel rueckgabe wohnungsuebergabe
VIII ZR 36/23 27.11.2024

Mietpreisbremse bei einfacher Modernisierung

+

Leitsatz

Die laut Mietpreisbremse zulässige Miethöhe darf ein Vermieter auch unter Berufung auf eine einfache Modernisierung überschreiten, selbst wenn vorvertraglich unzutreffend angegeben wurde, es handle sich um die erste Vermietung nach umfassender Modernisierung.

Bedeutung für Mieter

Fehlerhafte Angaben zur Art der Modernisierung führen nicht zum Ausschluss einer berechtigten Mieterhöhung. Die tatsächlich durchgeführte Modernisierung ist maßgeblich.

mietpreisbremse modernisierung neuvermietung
VIII ZR 106/23 23.10.2024

Schonfristzahlung und ordentliche Kündigung

+

Leitsatz

Eine Schonfristzahlung nach § 569 Abs. 3 BGB kann zwar die fristlose Kündigung eines Mietverhältnisses abwenden, berührt jedoch nicht automatisch die Wirksamkeit einer hilfsweise erklärten ordentlichen Kündigung.

Bedeutung für Mieter

Wenn Sie Mietschulden nachzahlen, wird nur die fristlose Kündigung unwirksam. Eine gleichzeitig erklärte ordentliche Kündigung bleibt weiterhin bestehen und wirksam.

schonfrist zahlungsverzug ordentliche kuendigung
V ZR 48/23 27.09.2024

Vorkaufsrecht bei Familienangehörigen

+

Leitsatz

Ein dingliches Vorkaufsrecht zugunsten eines Familienangehörigen hat Vorrang vor dem gesetzlichen Vorkaufsrecht eines Mieters, selbst wenn es erst nach Überlassung der Wohnung an den Mieter bestellt wurde.

Bedeutung für Mieter

Das Mietervorkaufsrecht nach § 577 BGB kann durch ein vorrangiges dingliches Vorkaufsrecht ausgehebelt werden.

vorkaufsrecht mieter familienangehoerige
VIII ZR 184/23 10.07.2024

Kaution und Aufrechnung bei Verjährung

+

Leitsatz

Vermieter können Schadensersatzforderungen wegen Schäden an der Mietsache auch nach Ablauf der Verjährungsfrist gegen den Anspruch des Mieters auf Rückzahlung der Kaution aufrechnen.

Bedeutung für Mieter

Die Aufrechnung mit verjährten Schadensersatzforderungen gegen die Kaution bleibt möglich, wenn die Forderung vor Verjährungseintritt bereits aufrechenbar war.

kaution aufrechnung verjaehrung schaden
VIII ZR 276/23 10.07.2024

Eigenbedarfskündigung für entfernte Verwandte

+

Leitsatz

Eine Eigenbedarfskündigung zugunsten entfernter Verwandter, wie Cousins oder Cousinen, ist in der Regel unzulässig.

Bedeutung für Mieter

Eigenbedarf kann nur für enge Familienangehörige wie Kinder, Eltern oder Geschwister geltend gemacht werden. Ausnahmen nur bei besonderem persönlichen oder wirtschaftlichen Interesse.

eigenbedarf verwandte familienangehoerige
VIII ZR 114/22 10.04.2024

Widerspruch bei Suizidgefahr

+

Leitsatz

Ein Widerspruch gegen eine Kündigung ist gerechtfertigt, wenn beim Mieter eine akute Suizidgefahr besteht. Das Beendigungsinteresse des Vermieters muss in solchen Fällen zurückstehen.

Bedeutung für Mieter

Bei nachgewiesener erheblicher psychischer Belastung und drohender Suizidgefahr kann auch eine an sich wirksame Eigenbedarfskündigung abgewehrt werden. Ärztliche Nachweise sind erforderlich.

widerspruch haertefall gesundheit sozialklausel
VIII ZR 167/20 02.06.2021

Mietspiegel als Begründung

+

Leitsatz

Ein einfacher Mietspiegel kann als Begründungsmittel für eine Mieterhöhung herangezogen werden.

Bedeutung für Mieter

Auch ohne qualifizierten Mietspiegel kann der Vermieter die Miete mit Bezug auf den Mietspiegel erhöhen.

mietspiegel begruendung erhoehung
VIII ZR 8/20 29.07.2020

Indexmiete und Schriftform

+

Leitsatz

Eine Indexmietvereinbarung muss bestimmte Angaben enthalten, insbesondere welcher Preisindex maßgeblich ist und wie die Anpassung zu erfolgen hat.

Bedeutung für Mieter

Indexklauseln müssen klar und bestimmt sein. Fehlen wesentliche Angaben, ist die Klausel unwirksam und der Vermieter kann keine Mieterhöhung verlangen.

indexmiete schriftform preisindex anpassung
VIII ZR 360/18 08.07.2020

Quotenabgeltungsklauseln unwirksam

+

Leitsatz

Formularvertragliche Quotenabgeltungsklauseln, die den Mieter bei Ende des Mietverhältnisses zu anteiligen Kosten für Schönheitsreparaturen verpflichten, sind unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter darf keine anteilige Kostenbeteiligung verlangen, wenn der Mieter vor Fälligkeit der nächsten Renovierung auszieht.

quote abgeltung auszug
VIII ZR 284/18 27.05.2020

Mieterhöhung und Zustimmungsfrist

+

Leitsatz

Der Mieter hat nach Zugang einer Mieterhöhungserklärung eine Überlegungsfrist bis zum Ablauf des zweiten Kalendermonats.

Bedeutung für Mieter

Sie haben mindestens 2 volle Monate Zeit, die Mieterhöhung zu prüfen und zu entscheiden, ob Sie zustimmen.

frist zustimmung ueberlegung
VIII ZR 68/19 22.01.2020

Kündigung bei Zahlungsverzug

+

Leitsatz

Die Nachzahlung der Mietschulden nach fristloser Kündigung wegen Zahlungsverzugs heilt nur die fristlose, nicht aber eine hilfsweise erklärte ordentliche Kündigung.

Bedeutung für Mieter

Wenn Sie Mietschulden nachzahlen, wird nur die fristlose Kündigung unwirksam. Eine gleichzeitig erklärte ordentliche Kündigung bleibt bestehen.

zahlungsverzug nachzahlung heilung

Verwandte Urteile: VIII ZR 106/23

VIII ZR 254/17 10.07.2019

Verwaltungskosten nicht umlagefähig

+

Leitsatz

Verwaltungskosten sind keine Betriebskosten nach §2 BetrKV und können nicht auf den Mieter umgelegt werden.

Bedeutung für Mieter

Verwaltergebühren, Kosten für Mietinkasso oder Buchhaltung sind keine Betriebskosten - Sie müssen diese nicht zahlen.

verwaltungskosten nicht umlagefähig betriebskosten
VIII ZR 9/18 26.09.2018

Besichtigungsrecht des Vermieters

+

Leitsatz

Der Vermieter hat kein generelles Recht zur regelmäßigen Besichtigung der Wohnung. Ein Besichtigungsrecht besteht nur aus konkretem Anlass.

Bedeutung für Mieter

Klauseln wie “jährliche Kontrollbesuche” oder “Besichtigung nach Ankündigung” ohne konkreten Anlass sind unwirksam.

besichtigung zutritt anlass
VIII ZR 231/17 29.08.2018

Vorgetäuschter Eigenbedarf

+

Leitsatz

Täuscht der Vermieter Eigenbedarf vor, hat der Mieter Anspruch auf Schadensersatz (Umzugskosten, Mietdifferenz, Maklergebühren etc.).

Bedeutung für Mieter

Wenn der Vermieter nicht einzieht oder die Wohnung weitervermietet, können Sie Schadensersatz verlangen.

eigenbedarf taeuschung schadensersatz
VIII ZR 210/17 27.06.2018

Rauchwarnmelder und Betriebskosten

+

Leitsatz

Die Kosten für die Miete von Rauchwarnmeldern können als “sonstige Betriebskosten” auf den Mieter umgelegt werden, wenn dies mietvertraglich vereinbart ist.

Bedeutung für Mieter

Die Umlagefähigkeit von Rauchwarnmelderkosten muss im Mietvertrag vereinbart sein. Die Wartungskosten sind generell umlagefähig.

rauchwarnmelder betriebskosten umlage
VIII ZR 277/16 28.02.2018

CO2-Kosten und Heizkostenverordnung

+

Leitsatz

Die verbrauchsabhängige Abrechnung der Heizkosten nach der Heizkostenverordnung hat zwingenden Charakter und kann vertraglich nicht abbedungen werden.

Bedeutung für Mieter

Mindestens 50% der Heizkosten müssen nach Verbrauch abgerechnet werden. Abweichende Vereinbarungen sind unwirksam.

heizkosten verbrauch abrechnung
VIII ZR 152/16 17.01.2018

Mietminderung bei Wohnflächenabweichung

+

Leitsatz

Weicht die tatsächliche Wohnfläche um mehr als 10% von der im Mietvertrag angegebenen Fläche ab, liegt ein Mangel vor, der zur Mietminderung berechtigt.

Bedeutung für Mieter

Prüfen Sie Ihre tatsächliche Wohnfläche. Ab 10% Abweichung können Sie die Miete entsprechend mindern.

wohnflaeche abweichung prozent
VIII ZR 211/16 10.01.2018

Staffelmiete Mindestlaufzeit

+

Leitsatz

Bei einer Staffelmietvereinbarung muss die Miete mindestens für die Dauer eines Jahres unverändert bleiben, bevor die nächste Staffel wirksam wird.

Bedeutung für Mieter

Staffelmieterhöhungen im Abstand von weniger als 12 Monaten sind unwirksam. Prüfen Sie die Zeitabstände in Ihrem Vertrag.

staffelmiete mindestlaufzeit jahresfrist erhoehung
VIII ZR 188/16 13.09.2017

Ankündigungsfrist für Besichtigungen

+

Leitsatz

Besichtigungen müssen mit angemessener Frist angekündigt werden. Eine Frist von 24-48 Stunden ist im Regelfall angemessen.

Bedeutung für Mieter

Überraschungsbesuche ohne Ankündigung müssen Sie nicht dulden. Bestehen Sie auf rechtzeitige Terminabsprache.

besichtigung ankuendigung frist termin
VIII ZR 123/16 05.04.2017

Lärmbelästigung durch Nachbarn

+

Leitsatz

Ein Mieter kann bei erheblicher Lärmbelästigung durch Nachbarn die Miete mindern, auch wenn der Vermieter den Lärm nicht selbst verursacht und nicht ohne Weiteres abstellen kann.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter schuldet eine ruhige Wohnung. Bei Mietminderung wegen Nachbarlärm muss er gegen den störenden Mieter vorgehen.

laerm nachbar stoerung minderung
VIII ZR 266/14 21.10.2015

Wohnfläche und Dachschrägen

+

Leitsatz

Bei der Berechnung der Wohnfläche sind Dachschrägen unter 1 Meter nicht anzurechnen, unter 2 Meter nur zur Hälfte (WoFlV).

Bedeutung für Mieter

Prüfen Sie, ob Dachschrägen korrekt berechnet wurden. Fehler sind häufig und können zur Mietminderung berechtigen.

dachschraege berechnung woflv
VIII ZR 263/14 24.06.2015

Betriebskostenpauschale und Erhöhung

+

Leitsatz

Eine Betriebskostenpauschale darf der Vermieter nur erhöhen, wenn dies im Mietvertrag ausdrücklich vereinbart ist und der Vermieter die Erhöhung auf Verlangen erläutert.

Bedeutung für Mieter

Bei einer Pauschale ohne Erhöhungsklausel bleibt die Pauschale dauerhaft gleich, unabhängig von steigenden tatsächlichen Kosten.

pauschale betriebskosten erhoehung
VIII ZR 324/14 09.06.2015

Kaution getrennt anlegen

+

Leitsatz

Der Vermieter ist verpflichtet, die Kaution getrennt von seinem Vermögen auf einem separaten Konto (Treuhandkonto) anzulegen.

Bedeutung für Mieter

Die Kaution darf nicht auf dem privaten Konto des Vermieters liegen. Bei Insolvenz des Vermieters wäre sie sonst verloren.

getrennt treuhandkonto anlage
VIII ZR 185/14 18.03.2015

Starre Renovierungsfristen unwirksam

+

Leitsatz

Formularvertragliche Klauseln, die den Mieter ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Renovierungsbedarf nach starren Fristen zur Ausführung von Schönheitsreparaturen verpflichten, sind unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Klauseln wie “alle 3 Jahre Wohnräume” oder “alle 5 Jahre Bad/Küche” sind unwirksam. Die Renovierungspflicht richtet sich nach dem tatsächlichen Zustand der Wohnung.

renovierung frist klausel

Verwandte Urteile: VIII ZR 178/05, VIII ZR 242/13, VIII ZR 360/18

VIII ZR 242/13 18.03.2015

Unrenoviert übernommene Wohnung

+

Leitsatz

Bei unrenoviert oder renovierungsbedürftig übernommener Wohnung ist eine Klausel zur Überwälzung der Schönheitsreparaturen auf den Mieter nur wirksam, wenn der Mieter einen angemessenen Ausgleich erhält.

Bedeutung für Mieter

Wer eine unrenovierte Wohnung übernimmt, muss bei Auszug nicht renovieren, wenn er keinen finanziellen Ausgleich erhalten hat.

unrenoviert uebernahme ausgleich
VIII ZR 95/14 01.10.2014

Energieausweis und Mietvertrag

+

Leitsatz

Das Fehlen eines Energieausweises bei Abschluss des Mietvertrags begründet keinen Mangel der Mietsache und berechtigt nicht zur Mietminderung.

Bedeutung für Mieter

Der fehlende Energieausweis ist ein Verstoß gegen öffentliches Recht, führt aber nicht zu zivilrechtlichen Ansprüchen des Mieters.

energieausweis mangel mietminderung
VIII ZR 307/13 24.09.2014

Haftung für Wasserschäden

+

Leitsatz

Der Vermieter haftet für Wasserschäden durch defekte Leitungen, auch wenn er von dem Defekt keine Kenntnis hatte.

Bedeutung für Mieter

Bei Wasserschäden durch Gebäudemängel muss der Vermieter den Schaden an Ihren Möbeln und Sachen ersetzen.

haftung wasserschaden leitung schadensersatz
VIII ZR 289/13 09.04.2014

Kleinreparaturklausel mit Höchstgrenze

+

Leitsatz

Eine Kleinreparaturklausel ist nur wirksam, wenn sie eine Höchstgrenze pro Reparatur und eine jährliche Obergrenze enthält. Außerdem muss sie auf Gegenstände des häufigen Mieterzugriffs beschränkt sein.

Bedeutung für Mieter

Sicher wirksam: 75-100€ pro Reparatur (einzelne Gerichte akzeptieren bis 120€). Jährliche Grenze: 6-8% der Jahresmiete. Fehlt eine Grenze, ist die gesamte Klausel unwirksam. Der BGH hat seit 1992 keine neuen Grenzen festgelegt.

kleinreparatur obergrenze klausel
VIII ZR 329/12 02.10.2013

Kampfhunde und Tierhaltung

+

Leitsatz

Die Haltung von gefährlichen Hunden (Listenhunde) kann der Vermieter auch bei grundsätzlich erlaubter Tierhaltung untersagen.

Bedeutung für Mieter

Für als gefährlich eingestufte Hunderassen gelten besondere Regeln. Der Vermieter kann hier ohne weitere Begründung die Haltung ablehnen.

tierhaltung kampfhund gefaehrlich listenhund
VIII ZR 107/12 22.05.2013

Eigenbedarfskündigung und Härtefall

+

Leitsatz

Eine Eigenbedarfskündigung kann unwirksam sein, wenn sie eine unzumutbare Härte für den Mieter darstellt (hohes Alter, Krankheit, lange Mietdauer).

Bedeutung für Mieter

Auch bei berechtigtem Eigenbedarf kann der Mieter bleiben, wenn ein Auszug unzumutbar wäre. Härtefallprüfung ist zwingend.

eigenbedarf haertefall sozialklausel
VIII ZR 168/12 20.03.2013

Pauschales Tierhaltungsverbot unwirksam

+

Leitsatz

Ein formularmäßig vereinbartes generelles Verbot der Haltung von Hunden und Katzen in einer Mietwohnung ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Ihr Vermieter kann Ihnen nicht pauschal die Haltung von Hunden oder Katzen verbieten. Es bedarf einer Einzelfallprüfung.

tierhaltung verbot hund katze

Verwandte Urteile: VIII ZR 340/06, VIII ZR 329/12, VIII ZR 329/11

VIII ZR 329/11 14.11.2012

Freies Ermessen bei Tierhaltung unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die die Tierhaltung in das freie Ermessen des Vermieters stellt oder dem Vermieter erlaubt, die Erlaubnis jederzeit ohne Grund zu widerrufen, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter muss objektive Gründe für eine Ablehnung nennen. Willkürliche Entscheidungen oder grundloser Widerruf sind nicht zulässig.

tierhaltung freies ermessen widerruf willkür
VIII ZR 138/11 29.06.2012

Mietminderung bei Baulärm

+

Leitsatz

Baulärm in der Nachbarschaft berechtigt zur Mietminderung, auch wenn der Vermieter den Lärm nicht verursacht hat und ihn nicht abstellen kann.

Bedeutung für Mieter

Bei erheblichem Baulärm können Sie die Miete mindern - der Vermieter trägt das Risiko der Gebrauchstauglichkeit.

baulärm nachbar gebrauchstauglichkeit
XII ZR 88/10 02.05.2012

Unbestimmte Nebenkostenklausel unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die den Mieter zur Zahlung “aller Nebenkosten” oder “sämtlicher Betriebskosten” ohne nähere Spezifizierung verpflichtet, ist wegen fehlender Bestimmtheit unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Die umlagefähigen Kosten müssen konkret benannt sein oder es muss auf “§2 BetrKV” verwiesen werden. “Alle Nebenkosten” reicht nicht.

alle nebenkosten bestimmtheit unwirksam
VIII ZR 155/11 11.04.2012

Berechtigtes Interesse bei Untervermietung

+

Leitsatz

Ein berechtigtes Interesse an der Untervermietung liegt vor, wenn der Mieter vernünftige wirtschaftliche oder persönliche Gründe hat. Der Vermieter kann dann nur aus wichtigem Grund in der Person des Untermieters verweigern.

Bedeutung für Mieter

Wirtschaftliche Gründe (Kostenersparnis), persönliche Gründe (Alleinsein, Pflegebedürftigkeit) oder berufliche Gründe (Auslandsaufenthalt) rechtfertigen einen Anspruch auf Untervermietung.

untervermietung interesse wirtschaftlich persoenlich
VIII ZR 340/10 16.11.2011

Verspätete Nebenkostenabrechnung

+

Leitsatz

Nach Ablauf der 12-Monats-Frist kann der Vermieter keine Nachforderungen mehr geltend machen, es sei denn, er hat die Verspätung nicht zu vertreten.

Bedeutung für Mieter

Wenn die Abrechnung nach 12 Monaten kommt, müssen Sie Nachzahlungen nicht mehr leisten. Guthaben steht Ihnen aber zu.

frist verspaetung nachzahlung
VIII ZR 93/10 26.01.2011

Untervermietung ohne Erlaubnis - Kündigung

+

Leitsatz

Eine unerlaubte Untervermietung kann die ordentliche Kündigung rechtfertigen, wenn der Mieter trotz Abmahnung die Untervermietung fortsetzt.

Bedeutung für Mieter

Vermieten Sie nicht ohne Erlaubnis unter! Bei unerlaubter Untervermietung riskieren Sie die Kündigung. Holen Sie immer vorher die schriftliche Zustimmung ein.

untervermietung kuendigung erlaubnis abmahnung
VIII ZR 86/10 08.12.2010

Kündigung "nach Ablauf" statt "zum Ablauf"

+

Leitsatz

Eine Klausel, die die Kündigung erstmals “nach Ablauf” statt “zum Ablauf” der Bindungsfrist ermöglicht, führt zu einer unzulässig langen Bindung.

Bedeutung für Mieter

“Nach Ablauf” bedeutet: erst nach 4 Jahren plus Kündigungsfrist. Richtig muss es heißen: “zum Ablauf” von 4 Jahren kündbar.

nach ablauf zum ablauf bindungsfrist
VIII ZR 144/09 10.03.2010

Wohnflächenabweichung über 10%

+

Leitsatz

Weicht die tatsächliche Wohnfläche um mehr als 10% zu Ungunsten des Mieters von der vereinbarten Fläche ab, kann der Mieter die Miete entsprechend mindern.

Bedeutung für Mieter

Die 10%-Schwelle gilt unabhängig davon, ob die Wohnfläche im Mietvertrag “ca.” angegeben ist.

abweichung zehn prozent minderung
VIII ZR 222/09 10.02.2010

Kaution und Verjährung

+

Leitsatz

Ansprüche des Vermieters wegen Verschlechterungen der Mietsache verjähren 6 Monate nach Rückgabe der Wohnung.

Bedeutung für Mieter

Nach 6 Monaten kann der Vermieter keine neuen Forderungen mehr gegen die Kaution aufrechnen.

verjaehrung frist forderung
VIII ZR 50/09 20.01.2010

Strikte Farbvorgabe für Türen/Fenster unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die vorschreibt, Türen, Fenster und Rahmen nur weiß zu lackieren, macht die gesamte Schönheitsreparaturklausel unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Selbst die Beschränkung einzelner Elemente auf “nur weiß” infiziert die gesamte Renovierungsklausel mit Unwirksamkeit.

türen fenster nur weiß infektion
VIII ZR 343/08 16.09.2009

Generelles Grillverbot auf Balkon

+

Leitsatz

Ein generelles Grillverbot auf Balkonen und Terrassen in der Hausordnung ist grundsätzlich wirksam, wenn es für alle Mieter gilt.

Bedeutung für Mieter

Grillverbote können wirksam sein, um Rauchbelästigung zu vermeiden. Elektrogrills verursachen weniger Rauch und können erlaubt sein.

grillen balkon verbot hausordnung
VIII ZR 71/09 01.07.2009

Kautionsrückzahlung nach Auszug

+

Leitsatz

Der Vermieter hat eine angemessene Prüfungsfrist zur Rückzahlung der Kaution. Die Länge ist gesetzlich nicht festgelegt und im Einzelfall zu bestimmen.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter darf die Kaution nicht unbegrenzt einbehalten, hat aber keine feste gesetzliche Frist. Die Prüfungsfrist richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls (ausstehende Nebenkostenabrechnung, Schadensermittlung).

rueckzahlung frist pruefung

Verwandte Urteile: VIII ZR 222/09, VIII ZR 344/02, VIII ZR 324/14

VIII ZR 107/08 22.04.2009

Wirtschaftlichkeitsgebot bei Nebenkosten

+

Leitsatz

Der Vermieter ist verpflichtet, bei der Bewirtschaftung das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu beachten und unnötige Kosten zu vermeiden.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter darf nicht unbegrenzt Kosten auf Sie umlegen. Überhöhte Kosten können Sie beanstanden.

wirtschaftlichkeit kosten ueberhoeht
VIII ZR 30/08 25.03.2009

Einseitiger Kündigungsverzicht unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die nur den Mieter zum Kündigungsverzicht verpflichtet, ist außerhalb von Staffelmietverträgen unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Ein Verzicht muss immer wechselseitig sein. Der Vermieter kann sich nicht einseitig ein Kündigungsrecht vorbehalten.

einseitig verzicht wechselseitig
VIII ZR 166/08 18.02.2009

Farbvorgabe für Heizkörper unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die vorschreibt, Heizkörper und Versorgungsleitungen in neutralen Farbtönen zu streichen, ist während der Mietzeit unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Auch für Heizkörper und Rohre gilt: Farbvorgaben während der Mietzeit schränken die Gestaltungsfreiheit unzulässig ein.

heizkörper rohre farbvorgabe
VIII ZR 198/10 22.10.2008

"Nur weiß"-Klausel unwirksam

+

Leitsatz

Die Verpflichtung, Holzwerk oder Türen nur weiß zu streichen, schränkt die Gestaltungsfreiheit des Mieters unangemessen ein.

Bedeutung für Mieter

Eine zu enge Farbvorgabe (nur “weiß” statt “hell” oder “neutral”) macht die gesamte Renovierungsklausel unwirksam.

nur weiß holzwerk lackieren
VIII ZR 67/08 15.10.2008

Formularmäßiger Mietminderungsausschluss unwirksam

+

Leitsatz

Eine Formularklausel, die das Recht des Mieters zur Mietminderung ausschließt oder einschränkt, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Das Mietminderungsrecht ist ein zentrales Mieterrecht und kann nicht durch AGB ausgeschlossen werden. Sie können bei Mängeln immer mindern.

mietminderung ausschluss klausel unwirksam
VIII ZR 224/07 18.06.2008

Farbwahlklausel während Mietzeit unwirksam

+

Leitsatz

Eine Formularklausel, die den Mieter verpflichtet, während der gesamten Mietdauer nur neutrale, helle oder deckende Farben zu verwenden, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Der Mieter darf seine Wohnung während der Mietzeit nach eigenem Geschmack streichen - Farbvorgaben nur bei Rückgabe zulässig.

farbwahl neutrale farben gestaltungsfreiheit
VIII ZR 340/06 14.11.2007

Zustimmungsvorbehalt bei Tierhaltung

+

Leitsatz

Eine Formularklausel, die die Haltung von Hunden und Katzen von der Zustimmung des Vermieters abhängig macht, ist wirksam. Die Zustimmung darf aber nicht ohne sachlichen Grund verweigert werden.

Bedeutung für Mieter

Anders als ein generelles Verbot ist ein Zustimmungsvorbehalt zulässig. Der Vermieter muss aber im Einzelfall prüfen und darf nicht pauschal ablehnen.

tierhaltung zustimmung hund katze vorbehalt
VIII ZR 4/07 31.10.2007

Untervermietungsverbot ohne Zustimmung

+

Leitsatz

Ein formularmäßiges vollständiges Verbot der Untervermietung ohne Zustimmungserfordernis ist unwirksam. Der Mieter hat bei berechtigtem Interesse einen Anspruch auf Erlaubnis zur Untervermietung.

Bedeutung für Mieter

Klauseln wie “Untervermietung ist generell verboten” sind unwirksam. Bei Bedarf (z.B. Auslandsaufenthalt, finanzielle Not) muss der Vermieter die Untervermietung erlauben.

untervermietung verbot zustimmung erlaubnis
VIII ZR 316/06 12.09.2007

Endrenovierungsklausel unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die den Mieter zur Renovierung bei Auszug verpflichtet unabhängig vom tatsächlichen Zustand und der letzten Renovierung, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Sie müssen bei Auszug nicht renovieren, nur weil Sie ausziehen. Entscheidend ist der tatsächliche Zustand der Wohnung.

endrenovierung auszug zustand
VIII ZR 1/06 14.02.2007

Instandhaltungsrücklage nicht umlagefähig

+

Leitsatz

Die Instandhaltungsrücklage ist nach §1 Abs. 2 Nr. 2 BetrKV ausdrücklich von den umlagefähigen Betriebskosten ausgeschlossen.

Bedeutung für Mieter

Rücklagen für Reparaturen oder Modernisierungen können nicht als Nebenkosten auf Mieter umgelegt werden.

instandhaltungsrücklage rücklage nicht umlagefähig
VIII ZR 52/06 18.10.2006

Quotenabgeltungsklausel mit starren Prozentsätzen

+

Leitsatz

Eine Quotenabgeltungsklausel, die starre Prozentsätze für anteilige Renovierungskosten vorsieht (z.B. 20%/40%/60%/80%), ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Starre Prozentsätze berücksichtigen nicht den tatsächlichen Erhaltungszustand der Wohnung und sind daher unwirksam.

quotenabgeltung prozentsatz anteilig
VIII ZR 178/05 28.06.2006

Starre Renovierungsfristen (Grundsatzurteil)

+

Leitsatz

Formularvertragliche Klauseln, die dem Mieter Schönheitsreparaturen nach einem starren Fristenplan ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Renovierungsbedarf auferlegen, sind wegen unangemessener Benachteiligung des Mieters unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Dieses Grundsatzurteil kippte die früher verbreiteten starren Fristen (3/5/7 Jahre). Renovierungspflicht nur bei tatsächlichem Bedarf.

starre fristen fristenplan renovierungsbedarf

Verwandte Urteile: VIII ZR 185/14, VIII ZR 361/03, VIII ZR 48/04

VIII ZR 163/05 14.06.2006

Vertragsstrafe im Wohnraummietvertrag unwirksam

+

Leitsatz

Formularvertragliche Vertragsstrafenklauseln in Wohnraummietverträgen sind generell unwirksam, da sie den Mieter unangemessen benachteiligen.

Bedeutung für Mieter

Klauseln wie “Bei vorzeitigem Auszug Strafe von X Monatsmieten” oder “Vertragsstrafe bei Verstößen” sind unwirksam. Sie müssen keine Vertragsstrafen zahlen.

vertragsstrafe unwirksam wohnraum formular
VIII ZR 106/05 05.04.2006

"Übliche Fristen" ohne Einschränkung unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die auf “übliche Fristen” verweist ohne klarzustellen, dass dies nur Richtwerte sind, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Ohne klarstellenden Zusatz wie “im Allgemeinen” wirken “übliche Fristen” aus Mietersicht verbindlich und sind daher unwirksam.

übliche fristen richtwerte verbindlich
VIII ZR 109/05 05.04.2006

Tapeten-Entfernungspflicht unwirksam

+

Leitsatz

Eine Klausel, die den Mieter verpflichtet, bei Auszug sämtliche Tapeten zu entfernen, ist unwirksam, wenn dies unabhängig vom Zustand der Tapeten verlangt wird.

Bedeutung für Mieter

Tapeten müssen nur entfernt werden, wenn sie beschädigt sind oder der Nachmieter sie nicht übernehmen will.

tapeten entfernen auszug
VIII ZR 124/05 05.04.2006

Nachträgliche Verschärfung der Hausordnung

+

Leitsatz

Der Vermieter kann die Hausordnung nicht einseitig zum Nachteil des Mieters ändern, wenn dadurch wesentliche Nutzungsrechte eingeschränkt werden.

Bedeutung für Mieter

Nachträgliche Verbote (z.B. Grillverbot, Musikverbot) sind nur wirksam, wenn sie verhältnismäßig sind und der Mieter zustimmt.

hausordnung aenderung verschaerfung nutzung
VIII ZR 349/04 01.03.2006

Allgemeine Ruhezeiten

+

Leitsatz

Formularklauseln, die übermäßig strenge Ruhezeiten festlegen (z.B. ganztägige Mittagsruhe, Nachtruhe ab 20 Uhr), sind unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Nur die Nachtruhe (22-6/7 Uhr) ist bundesgesetzlich geregelt. Eine gesetzliche Mittagsruhe gibt es NICHT bundesweit – sie kann nur durch Hausordnung oder kommunale Verordnung festgelegt werden. Übermäßig strenge Regelungen sind unwirksam.

hausordnung ruhezeiten mittagsruhe nachtruhe
VIII ZR 27/04 06.04.2005

Kündigungsverzicht maximal 4 Jahre

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Leitsatz

Ein formularmäßiger wechselseitiger Kündigungsverzicht ist nur wirksam, wenn er höchstens 4 Jahre ab Vertragsschluss beträgt und die Kündigung zum Ablauf der Frist möglich ist.

Bedeutung für Mieter

Kündigungsverzichte über 4 Jahre sind unwirksam. Achten Sie auf die Formulierung: “zum Ablauf” muss möglich sein, nicht erst “nach Ablauf”.

kündigungsverzicht vier jahre frist
VIII ZR 44/04 09.02.2005

Beschränkung der Minderung auf Höhe der Instandsetzungskosten

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Leitsatz

Eine Klausel, die die Mietminderung auf die Höhe der Instandsetzungskosten begrenzt, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Die Minderung richtet sich nach dem Grad der Beeinträchtigung, nicht nach den Reparaturkosten. Hohe Beeinträchtigung = hohe Minderung.

mietminderung begrenzung instandsetzung hoehe
VIII ZR 42/04 19.01.2005

Zustimmungsvorbehalt bei Untervermietung

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Leitsatz

Die Klausel “Untervermietung nur mit Zustimmung des Vermieters” ist wirksam. Der Vermieter muss die Zustimmung jedoch erteilen, wenn ein berechtigtes Interesse des Mieters vorliegt.

Bedeutung für Mieter

Ein Zustimmungsvorbehalt ist zulässig, aber der Vermieter darf die Zustimmung nicht willkürlich verweigern. Bei berechtigtem Interesse (§ 553 BGB) besteht ein Anspruch.

untervermietung zustimmung vorbehalt interesse
VIII ZR 48/04 22.09.2004

"Spätestens"-Klauseln unwirksam

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Leitsatz

Eine Klausel, die Schönheitsreparaturen “spätestens” nach bestimmten Fristen verlangt, ist unwirksam, da sie keine Verlängerung bei gutem Zustand ermöglicht.

Bedeutung für Mieter

Das Wort “spätestens” signalisiert dem Mieter, dass keine Abweichung möglich ist - die Klausel ist daher unwirksam.

spätestens frist verbindlich
VIII ZR 235/03 07.07.2004

Kombination Index- und Staffelmiete unwirksam

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Leitsatz

Eine Kombination von Index- und Staffelmiete ist unzulässig. Enthält der Vertrag beide Klauseln, sind beide unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter muss sich für eine Variante entscheiden. Bei beiden Klauseln im Vertrag gilt die ursprüngliche Ausgangsmiete ohne automatische Erhöhungen.

indexmiete staffelmiete kombination unwirksam
VIII ZR 361/03 23.06.2004

"Mindestens aber"-Klauseln unwirksam

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Leitsatz

Eine Schönheitsreparaturklausel mit der Formulierung “im Allgemeinen, mindestens aber” ist unwirksam, da sie ein Abweichen vom Fristenplan auch bei besserem Zustand ausschließt.

Bedeutung für Mieter

Die Kombination “im Allgemeinen” mit “mindestens aber” nimmt die Flexibilität wieder zurück und macht die Klausel unwirksam.

mindestens aber frist flexibilität
VIII ZR 331/03 03.03.2004

Besichtigung bei Verkaufsabsicht

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Leitsatz

Bei beabsichtigtem Verkauf der Wohnung hat der Vermieter ein Recht auf Besichtigung durch Kaufinteressenten. Der Mieter muss dies in angemessenem Umfang dulden.

Bedeutung für Mieter

Besichtigungen für den Verkauf müssen angekündigt werden und sollten nicht häufiger als 2-3 Mal pro Woche stattfinden.

besichtigung verkauf kaufinteressent duldung
VIII ZR 344/02 25.06.2003

Kaution in Raten zahlen

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Leitsatz

Der Mieter ist berechtigt, die Kaution in drei gleichen monatlichen Raten zu zahlen. Eine Klausel, die die sofortige vollständige Zahlung verlangt, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Sie müssen die Kaution nicht auf einmal zahlen. Die erste Rate ist zu Mietbeginn fällig, der Rest in den nächsten zwei Monaten.

raten ratenzahlung sofort fällig
VIII ARZ 1/01 05.12.2001

Haftungsausschluss höhlt Instandhaltungspflicht aus

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Leitsatz

Eine Klausel, die die Haftung des Vermieters für leichte Fahrlässigkeit bei Verletzung der Instandhaltungspflicht ausschließt, ist unwirksam, da sie eine wesentliche Vertragspflicht aushöhlt.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter kann sich nicht durch AGB von seiner Pflicht zur Instandhaltung freistellen. Bei Schäden haftet er auch für leichte Fahrlässigkeit.

haftungsausschluss instandhaltung kardinalspflicht
V ZB 11/98 10.09.1998

Generelles Musizierverbot unwirksam

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Leitsatz

Ein vollständiges Musizierverbot in der Hausordnung ist unwirksam. Musizieren in der Mietwohnung gehört zum normalen Wohngebrauch und ist im Rahmen üblicher Zeiten (2-3 Stunden täglich) zulässig.

Bedeutung für Mieter

Sie dürfen in Ihrer Wohnung musizieren - auch Klavier oder Gitarre spielen. HINWEIS: Dieses Urteil stammt aus dem Wohnungseigentumsrecht (WEG), wird aber als Orientierung auch im Mietrecht herangezogen. Die 2-3 Stunden sind ein Richtwert, keine feste Regel. Zumutbare zeitliche Beschränkungen sind zulässig.

musizieren verbot hausordnung instrument
VIII ZR 71/95 22.05.1996

Haftungsausschluss für leichte Fahrlässigkeit

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Leitsatz

Ein formularmäßiger Haftungsausschluss für Schäden, die der Vermieter durch leichte Fahrlässigkeit verursacht, ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Der Vermieter haftet für Schäden an Ihrem Eigentum, wenn er seine Pflichten verletzt hat - auch bei leichter Fahrlässigkeit.

haftung ausschluss fahrlaessigkeit schaden
VIII ZR 10/92 10.02.1993

Kinderlärm und Ruhezeiten

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Leitsatz

Kinderlärm in Mietwohnungen ist grundsätzlich sozialadäquat und muss von Mitbewohnern hingenommen werden. Ein generelles Verbot von Kinderspielen ist unwirksam.

Bedeutung für Mieter

Klauseln wie “Kinderspiele im Hof verboten” oder “Kinder müssen sich ruhig verhalten” sind unwirksam. Normale Kinderspiele sind erlaubt.

kinderlärm ruhe spiel sozialadaequat
VIII ZR 129/91 03.06.1992

Kleinreparaturen - Gegenstände des häufigen Zugriffs

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Leitsatz

Kleinreparaturklauseln dürfen nur Gegenstände erfassen, die dem häufigen Zugriff des Mieters ausgesetzt sind (z.B. Wasserhähne, Lichtschalter, Türgriffe).

Bedeutung für Mieter

Reparaturen an Heizungsanlagen, Leitungen in der Wand oder dem Briefkasten sind keine Kleinreparaturen und gehen immer auf Kosten des Vermieters.

kleinreparatur zugriff gegenstaende liste
IX ZR 212/88 20.12.1990

Kaution maximal 3 Monatsmieten

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Leitsatz

Die Mietkaution darf höchstens drei Nettokaltmieten betragen. Ein überschießender Betrag kann vom Mieter zurückgefordert werden.

Bedeutung für Mieter

Verlangt der Vermieter mehr als drei Kaltmieten, müssen Sie den Mehrbetrag nicht zahlen oder können ihn zurückfordern.

obergrenze drei monatsmieten maximum
VIII ZR 91/88 19.04.1989

Jahreshöchstgrenze bei Kleinreparaturen

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Leitsatz

Eine Kleinreparaturklausel ohne Jahreshöchstgrenze ist unwirksam. Die Jahresgrenze sollte 6-8% der Jahresmiete nicht überschreiten.

Bedeutung für Mieter

Selbst wenn jede einzelne Reparatur unter der Grenze liegt, müssen Sie nicht unbegrenzt zahlen. Fehlt die Jahresgrenze, ist die gesamte Klausel unwirksam.

kleinreparatur jahresgrenze obergrenze prozent